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Hintergrund
Das RDKS-Servicekit: Was darin steckt und wann es wirklich gebraucht wird

Auf mancher Rechnung für neue Reifen steht ein „RDKS-Servicekit", auf mancher nicht. Was dieses Kit ist, welche Teile darin stecken, wann es gebraucht wird – und wann eben nicht.

Jero (Inhaber)

Drahtgitter-Darstellung eines RDKS-Schraubventils mit den Einzelteilen eines Servicekits – Dichtring, Überwurfmutter, Ventileinsatz und Ventilkappe – nebeneinander aufgereiht
Ein Servicekit kostet wenige Euro. Die Frage ist nicht, ob es teuer ist – sondern ob Ihr Rad es überhaupt braucht.

01Einleitung

Sie lassen neue Reifen aufziehen und finden auf der Rechnung eine Position namens „RDKS-Servicekit". Beim letzten Mal, in einer anderen Werkstatt, stand sie nicht da. Oder umgekehrt. Beides kann richtig sein – und das liegt nicht an der Werkstatt, sondern am Zustand Ihres Rades.

Dieser Text erklärt, was in so einem Kit steckt, warum es die Teile darin gibt und woran sich entscheidet, ob Ihr Rad eines braucht.

02Am RDKS-Rad ist das Ventil mehr als ein Ventil

An einem Rad ohne Reifendruckkontrollsystem ist das Ventil ein einfaches Bauteil: ein Stöpsel, durch den Luft hinein- und herauskommt. Geht er kaputt, kommt ein neuer hinein, und damit ist die Sache erledigt.

Hat Ihr Fahrzeug ein RDKS, sieht das anders aus. Dann sitzt innen im Rad ein Sensor, der den Luftdruck misst und ans Fahrzeug funkt. Dieser Sensor braucht einen Platz, und den findet er dort, wo ohnehin ein Loch in der Felge ist: am Ventil. Das Ventil ist also nicht mehr nur ein Ventil, sondern zugleich die Halterung des Sensors – sein Hals durch die Felgenwand.

Bei der haltbaren Bauart, dem Schraubventil, wird dieser Hals von innen durch das Loch gesteckt und von außen mit einer Mutter verschraubt. Abgedichtet wird das Ganze durch einen Gummiring, den die Verschraubung gegen die Felge presst.

03Ein Servicekit ist die Dichtung, nicht der Sensor

Der Sensor selbst ist ein elektronisches Bauteil und das mit Abstand teuerste am Ventil. Er ist in einem Servicekit nicht enthalten – und das ist die wichtigste Information für Sie: Ein Servicekit ist nichts, was den Sensor ersetzt.

Im Kit liegen die kleinen Teile, die um den Sensor herum abdichten und verschleißen:

  • Der Dichtringpresst sich zwischen Ventil und Felge und hält die Luft im Reifen.
  • Die Überwurfmutterverschraubt das Ventil von außen und erzeugt den Druck auf den Dichtring.
  • Der Ventileinsatzdas kleine Schraubteil im Ventilschaft, durch das die Luft ein- und ausströmt und das den Druck hält.
  • Die Ventilkappeschützt den Ventileinsatz vor Schmutz und Feuchtigkeit – sie hat innen selbst eine Dichtung und ist kein bloßer Zierdeckel.

Alles zusammen sind das ein paar Gramm Gummi und Metall. Der Sensor bleibt, wo er ist.

04Warum die Dichtung nur einmal passt

Der Dichtring ist ein Einwegteil, und dafür gibt es einen handfesten Grund. Beim Festziehen wird er stark zusammengepresst und legt sich dabei in jede Unebenheit der Felgenbohrung. Er nimmt die Form dieser einen Stelle an – dauerhaft, denn Gummi federt nach einer solchen Pressung nicht mehr vollständig zurück.

Solange er sitzt, ist das ideal: Er passt exakt dorthin, wo er sitzt. Wird die Verschraubung aber gelöst, entspannt sich das Gummi und findet beim erneuten Anziehen nicht mehr in dieselbe Form. Ein zweites Mal dichtet es deshalb nicht mehr zuverlässig.

Wichtig ist der genaue Auslöser: Nicht der Reifenwechsel macht den Dichtring unbrauchbar, sondern das Öffnen der Verschraubung.

05Neue Reifen bedeuten nicht automatisch ein neues Ventil

Hier liegt das Missverständnis, das die meisten Rechnungen erklärt. Wenn wir neue Reifen aufziehen, arbeitet die Maschine am Reifen: Der alte wird von der Felge gelöst und abgezogen, der neue aufgezogen. Das Ventil bleibt dabei unangetastet in der Felge sitzen. Die Verschraubung wird nicht geöffnet.

Und wenn sie nicht geöffnet wird, sitzt der Dichtring unverändert dort, wo er sich einmal angeformt hat. Er ist nicht entspannt, nicht verrutscht, nicht schlechter geworden. Ihn in diesem Zustand zu wechseln, hieße: eine funktionierende Abdichtung mutwillig aufmachen, um sie danach neu herzustellen.

06Den Ventileinsatz tauschen wir immer

Ein Teil aus dem Kit erneuern wir dagegen grundsätzlich: den Ventileinsatz. Das ist konsequent, denn für ihn gilt dieselbe Regel wie für den Dichtring – nur mit anderem Ergebnis.

Um den Reifen von der Felge zu bekommen, muss die Luft heraus. Dabei wird der Ventileinsatz herausgedreht. Er ist also sehr wohl gelöst worden, und in ihm steckt eine winzige Gummidichtung, die den vollen Reifendruck hält. Für ein paar Cent ein Teil zu erneuern, das gerade offen war und dessen Versagen man erst am schleichenden Luftverlust bemerkt, ist keine Frage.

Dazu kommt der Werkstoff. Ventile an RDKS-Sensoren bestehen meist aus Aluminium, und Aluminium verträgt sich schlecht mit Messing: Kommt Feuchtigkeit dazu, entsteht zwischen beiden Metallen genau die Reaktion, die das weichere Metall zerfrisst. Die Ventileinsätze aus dem Servicekit sind deshalb vernickelt. Ein handelsüblicher Messing-Einsatz gehört in ein solches Ventil nicht hinein.

07Wann das komplette Kit doch nötig wird

Es gibt Fälle, in denen wir die Verschraubung öffnen müssen oder wollen. Dann kommt konsequenterweise auch der Rest des Kits an die Reihe:

  • Wenn Korrosion sichtbar istZeigen sich am Ventilschaft, an der Mutter oder am Sensorfuß Ablagerungen oder angegriffene Stellen, bauen wir das Ventil aus und erneuern die Dichtteile. Bei abgezogenem Reifen sehen wir den Sensor auch von innen und beurteilen ihn dort mit.
  • Wenn das Ventil beschädigt istEin verbogener Schaft oder eine rundgedrehte Mutter sind kein Fall für später.
  • Wenn wir ohnehin ans Ventil müssenEtwa beim Umbau von einem Gummi- auf ein Schraubventil, beim Reinigen eines angegriffenen Ventillochs oder wenn ein neuer Sensor gesetzt wird.

08Eine Metallkappe kann das Ventil ruinieren

Etwas, das Sie an Ihrem eigenen Auto nachsehen können: Auf ein RDKS-Ventil gehört eine Kunststoffkappe – meist grau oder schwarz, unscheinbar. Sie sieht billig aus, und deshalb ersetzen viele sie irgendwann durch eine schicke verchromte Metallkappe.

Das ist dieselbe Materialpaarung wie beim Ventileinsatz: Metallkappe auf Aluminiumventil, dazu Regen und Streusalz. Ein Winter reicht oft, bis sich die Kappe nicht mehr abschrauben lässt und nur noch mit der Zange abgeht – im schlimmsten Fall zusammen mit dem Ventilkopf.

Hinzu kommt: In der Kunststoffkappe sitzt eine Dichtung, die Feuchtigkeit vom Ventileinsatz fernhält. Eine offene oder ungedichtete Kappe leistet das nicht. Wenn Ihnen eine solche Kappe abhandenkommt, sprechen Sie uns an – wir haben passende da.

09Wenn die Batterie leer ist, hilft kein Servicekit

Zum Schluss die wichtigste Abgrenzung, damit kein falscher Eindruck entsteht: Ein Servicekit hält das Ventil dicht. Gegen einen Sensor am Ende seiner Lebensdauer richtet es nichts aus.

In jedem RDKS-Sensor steckt eine Batterie. Sie ist fest im Gehäuse eingegossen, lässt sich nicht wechseln und auch nicht auslesen – man sieht ihr nicht an, wie viel noch übrig ist. Je nach Hersteller und Fahrleistung hält sie etwa sechs bis zehn Jahre. Ist sie leer, meldet sich das System, und dann hilft nur ein neuer Sensor.

Der gute Teil daran: Ein neuer Sensor bringt sein Ventil samt allen Dichtteilen mit. In diesem Fall brauchen Sie kein Servicekit – es wäre schlicht überflüssig.

10Was bedeutet das für Jero's Werkstatt?

  • Wir öffnen die Verschraubung nur mit GrundIst das Ventil in Ordnung und muss der Sensor nicht heraus, bleibt die Verbindung zu – und ein funktionierender Dichtring bleibt drin.
  • Den Ventileinsatz erneuern wir immerEr wird beim Entlüften geöffnet, hält den vollen Druck und kostet fast nichts. Hier zu sparen wäre am falschen Ende gespart.
  • Wir sehen hin, statt pauschal zu tauschenBei abgezogenem Reifen prüfen wir Ventil und Sensor auch von innen. Finden wir Korrosion oder eine Beschädigung, sagen wir Ihnen das – und erneuern die Dichtteile vollständig.
  • Sie bezahlen kein Kit, das Ihr Rad nicht brauchtWenn auf Ihrer Rechnung kein Servicekit steht, ist das keine Nachlässigkeit. Es heißt, dass wir keinen Grund hatten, eines zu verbauen.
Ein Teil zu tauschen, das noch dichthält, ist keine Sorgfalt. Es ist nur eine Position mehr auf der Rechnung.
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