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Ratgeber
Saisonaler Reifenwechsel bei UHP- und Runflat-Modellen: Ein unterschätztes Sicherheitsrisiko?

Umziehen oder Kompletträder? Warum das bei UHP- und Runflat-Reifen zur Sicherheitsfrage wird.

Jero (Inhaber)

Ummontage eines Niederquerschnitts-Reifens auf der Montiermaschine – Symbolbild saisonaler Reifenwechsel bei UHP- und Runflat-Modellen
Da man dem fertigen Rad ein hohes Sicherheitsrisiko nicht ansieht, darf bei der Montage absolut kein Kompromiss eingegangen werden.

01Einleitung

Großformatige Alufelgen und extrem flache Reifen prägen das Erscheinungsbild moderner, sportlicher Fahrzeuge. Doch beim halbjährlichen Wechsel von Sommer- auf Winterreifen stehen viele Besitzer vor einer folgenschweren Entscheidung: Reicht es aus, die Reifen auf dem vorhandenen Felgensatz umzumontieren, oder ist die Anschaffung von Kompletträdern die sicherere Wahl?

Aus technischer Sicht und im Sinne Ihrer Fahrsicherheit gibt es hierzu klare Fakten.

02Das Wichtigste zuerst: Die unsichtbare Gefahr

Das tückischste Risiko bei der Montage und Demontage von extremen Niederquerschnitts- und Runflat-Reifen ist, dass schwerwiegende Beschädigungen für das bloße Auge unsichtbar bleiben.

Wenn extrem steife Reifenflanken mit roher Gewalt oder falscher Technik über das Felgenhorn gehebelt werden, können punktuell große mechanische Kräfte auf den Reifenwulst wirken. Dies kann zu feinen Mikrorissen im inneren Gummigefüge oder zu einer irreversiblen Dehnung des innenliegenden Stahlkerns (Wulstkerns) führen.

Das gefährliche Resultat: Sobald der Reifen fertig montiert ist, verschwinden diese Schäden im Felgenbett. Der Reifen sieht von außen absolut makellos aus und hält den Luftdruck. Doch die Struktur ist geschwächt. Bei hoher thermischer und mechanischer Belastung – zum Beispiel bei schneller Fahrt auf der Autobahn – kann diese Vorschädigung bei hohen Geschwindigkeiten im schlimmsten Fall zu einem plötzlichen Druckverlust oder einem gefährlichen Reifenplatzer führen.

Die oberste Regel lautet daher: Da man dem fertigen Rad ein hohes Sicherheitsrisiko nicht ansieht, darf bei der Montage absolut kein Kompromiss eingegangen werden.

03Das physikalische Nadelöhr: Warum die flache Flanke keine Fehler verzeiht

Bei UHP-Reifen (mit einem Querschnitt von ≤ 45 % oder gar extremen 35 % beziehungsweise 30 %) sowie bei Runflat-Reifen verzeiht das Material bei der De- und Montage keine Fehler.

Runflat-Reifen besitzen extrem verstärkte, steife Seitenwände, um das Fahrzeuggewicht auch im völlig luftlosen Zustand tragen zu können.

Jedes Auf- und Abziehen bedeutet eine erhebliche mechanische Belastung für die Reifenstruktur:

  • Extreme Dehnung des WulstkernsUm einen Reifen mit einer extrem kurzen und steifen Flanke über das Felgenhorn zu führen, wirken gewaltige physikalische Kräfte. Der im Reifenbett sitzende, hochfeste Stahlkern (Wulstkern) wird dabei stark beansprucht und gedehnt.
  • Gefahr von „Reifenwandern" (Slippage)Wird dieser Stahlkern durch wiederholtes Auf- und Abziehen überlastet, verliert er seine elastische Spannung. Der Reifen sitzt dann unter Umständen nicht mehr stramm genug auf dem Hump der Felge (Verlust des Presssitzes). Bei einer Vollbremsung oder starker Beschleunigung kann sich die Felge im Reifen drehen. Die Folge: extreme Unwucht oder plötzlicher Druckverlust.

04Warum ist die Montage teurer?

Der Preis in der Werkstattliste spiegelt einen massiven technischen und zeitlichen Mehraufwand wider, der zum Schutz Ihrer Sicherheit zwingend notwendig ist:

  • Thermische Konditionierung (Aufwärmzeit)Kalter Gummi verliert seine Elastizität und reißt unter Zugbelastung extrem schnell. Bevor überhaupt gearbeitet werden kann, müssen die Reifen eine Kerntemperatur von mindestens 15 °C aufweisen (optimal sind 23 °C). Im Winter bedeutet dies, dass die Reifen vor der Montage stundenlang in temperierten Bereichen akklimatisiert werden müssen.
  • Präzision statt Hektik (Die Etappenmontage)Ein extrem flacher Reifen lässt sich nicht in einem schnellen Durchgang aufziehen. Sobald sich am sogenannten Traktionspunkt die mechanische Spannung aufbaut, benötigt das Material Zeit, um sich zu entspannen und elastisch zu fließen. Um das sensible Gefüge vor Überdehnung zu schützen, erfolgt die Montage in sorgsam getakteten Schritten mit gezielten Entspannungspausen.

05Worauf Sie achten sollten

Damit Sie jederzeit sicher auf der Straße unterwegs sind, haben wir die wichtigsten Empfehlungen für den Umgang mit sportlichen Reifen für Sie zusammengefasst:

  • Aus Materialschutz auf Kompletträder setzenUm die Reifen langfristig vor dem mechanischen Stress des wiederholten Auf- und Abziehens zu schonen, empfiehlt sich aus unserer fachlichen Erfahrung bei UHP- und Runflat-Reifen der Einsatz von Kompletträdern. Auch wenn extrem sorgfältig gearbeitet wird, bedeutet jede Demontage eine unvermeidbare Belastung für den Wulstkern.
  • Auf das wdk-Zertifikat des Monteurs achtenAm Ende entscheidet das handwerkliche Können des Menschen an der Maschine über die Sicherheit Ihres Reifens. Da die ausführende Werkstatt für die fehlerfreie Montage haftet, sollten Sie darauf bestehen, dass die Arbeiten ausschließlich von wdk-zertifiziertem Fachpersonal durchgeführt werden, um Schäden von vornherein auszuschließen.
  • Am falschen Ende sparenWer an der professionellen Reifenmontage spart, riskiert bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn die eigene Sicherheit und die seiner Mitfahrer.

06Was bedeutet das für Jero's Werkstatt?

  • Sicherheit hat VorrangIhre Sicherheit ist uns zu wertvoll für Kompromisse.
  • Keine saisonale UmrüstungAus diesem Grund lehnen wir die saisonale Reifenumrüstung (das wiederholte, halbjährliche Auf- und Abziehen von Sommer- und Winterreifen auf denselben Felgensatz) bei UHP- und Runflat-Modellen konsequent und kategorisch ab.
  • Ausschließlich Komplettrad-WechselFür diese sensiblen Bereifungen führen wir im Saisonwechsel ausschließlich den Komplettrad-Wechsel durch.
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