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Hintergrund
Um 22 Uhr abgesagt: Warum das für den nächsten Morgen nichts mehr ändert

Ein Termin ist kein Eintrag im Kalender, sondern reservierte Zeit von Menschen. Warum eine Absage am späten Abend für den Morgen danach nichts mehr ändert.

Jero (Inhaber)

Leere Pkw-Hebebühne mit ausgeschwenkten Tragarmen in Aufnahmeposition, daneben bereitgelegtes Werkzeug – Symbolbild für einen nicht wahrgenommenen Werkstatttermin
Es geht nicht darum, ob abgesagt wurde. Es geht darum, wann.

01Einleitung

Der Termin steht seit zwei Wochen: acht Uhr, Bremsen vorne, dazu ein Blick auf die Hinterachse. Drei Stunden sind dafür eingeplant. Um 22:04 Uhr am Abend davor kommt eine Nachricht – als E-Mail, als Kurznachricht, auf der Mailbox, der Kanal spielt keine Rolle: „Schaffe es morgen leider doch nicht, sorry."

Das ist höflich. Das ist auch ehrlich gemeint. Und für den nächsten Morgen ändert es trotzdem nichts mehr.

Dieser Artikel soll niemanden anklagen. Das Leben kommt dazwischen, Kinder werden krank, Termine verschieben sich, manchmal springt das Auto schlicht nicht an. Uns geht es um etwas anderes: um das, was die meisten Menschen über einen Werkstatttermin gar nicht wissen können, weil sie es von außen nicht sehen.

02Was zwischen der Zusage und dem Morgen passiert

Ein Termin ist für Sie eine Zeile im Kalender. Bei uns ist er in dem Moment, in dem er steht, eine Kette von Entscheidungen:

  • Eine Hebebühne ist geblocktWir haben nicht beliebig viele. Drei Stunden an einer Bühne sind drei Stunden, die kein anderes Fahrzeug bekommt.
  • Ein Mensch ist eingeplantEin Kollege weiß am Vorabend, was er am nächsten Morgen macht. Seine Arbeitszeit ist keine Ressource, die man früh um sieben spontan woanders hinschiebt.
  • Material ist vorbereitetTeile liegen bereit, Räder sind aus dem Lager geholt, die Papiere sind vorbereitet.
  • Andere Anfragen wurden abgelehntDas ist der Teil, den niemand sieht. Für diesen Vormittag haben wir jemandem gesagt: geht leider nicht, frühestens in zwei Wochen.

Nichts davon ist dramatisch, und nichts davon kostet Sie etwas. Es ist einfach die Arbeit, die vor Ihrem Termin schon passiert ist.

03Absagen ist keine Ja-oder-Nein-Frage

Die meisten Menschen denken über eine Absage in zwei Zuständen: abgesagt oder nicht abgesagt. Abgesagt fühlt sich richtig an, und das ist es auch – aber der Wert einer Absage hängt fast vollständig daran, wann sie kommt.

  • Drei Tage vorherWir rufen jemanden an, der auf der Warteliste steht. Die Lücke schließt sich, niemand merkt etwas. Das ist der Idealfall, und er ist überraschend oft möglich.
  • Am Vortag am VormittagKnapp, aber machbar. Manchmal findet sich jemand, der ohnehin in der Nähe ist.
  • Am Vorabend um 22 UhrHier endet es. Es sitzt niemand mehr im Büro, der noch telefonieren könnte. Am nächsten Morgen um sieben steht die Lücke fest, und um acht ist sie da.
  • Gar nichtGenau dasselbe wie 22 Uhr – mit dem Unterschied, dass wir erst noch eine halbe Stunde warten und einmal bei Ihnen anrufen.

Zwischen den letzten beiden Zeilen liegt für uns kein Unterschied. Das ist der Punkt, den man von außen nicht ahnt: Eine späte Absage ist keine halbe Absage. Sie ist vor allem eine höfliche Mitteilung darüber, dass gleich niemand kommt.

04Der Dritte, von dem niemand spricht

Bei einem geplatzten Termin denkt man an zwei Beteiligte: an den, der nicht kam, und an den Betrieb. Es gibt aber einen dritten.

Das ist der Kunde, dem wir für genau diesen Vormittag abgesagt haben. Der mit dem Geräusch an der Vorderachse, der gefragt hat, ob es nicht doch diese Woche geht. Der jetzt wartet – während bei uns drei Stunden lang eine Bühne leer steht.

Er erfährt davon nie. Er weiß nicht, dass der Platz frei war. Er weiß nur, dass er warten musste.

Das ist die Stelle, an der ein nicht wahrgenommener Termin aufhört, eine Sache zwischen zwei Parteien zu sein.

05Es geht nicht um das Geld

Man erwartet an dieser Stelle die Rechnung: entgangener Umsatz, Stundensatz mal drei. Die könnte man aufmachen, aber sie trifft die Sache nicht.

Eine Werkstatt hat gute und schlechte Tage, das gleicht sich über ein Jahr aus. Was sich nicht ausgleicht, ist Zeit. Der Vormittag von acht bis elf kommt nicht wieder. Der Kollege, der dafür eingeplant war, bekommt diese Stunden nicht zurück – er hat sie gearbeitet, nur eben für niemanden.

Und das ist, was wir eigentlich meinen: Ein Termin ist eine Zusage darüber, wie ein anderer Mensch seinen Tag verbringt. Deshalb ist er mehr als ein Kalendereintrag.

06Wohin es führt, wenn es normal wird

Schauen Sie sich an, wie andere Branchen darauf reagiert haben, nachdem geplatzte Termine bei ihnen zur Regel wurden:

  • Das Restaurantverlangt bei der Reservierung eine Kreditkarte.
  • Die Praxishängt ein Ausfallhonorar an die Anmeldung.
  • Der Handwerkerberechnet die Anfahrt im Voraus, bevor er überhaupt losfährt.
  • Die Ferienwohnungist ohne Anzahlung schon lange nicht mehr zu bekommen.

Keiner dieser Betriebe hat sich das ausgedacht, weil er es wollte. Sie haben es eingeführt, weil sie es irgendwann nicht mehr anders tragen konnten. Der nächste Schritt wäre auch bei uns absehbar: Sie möchten einen Termin, drei Stunden werden geblockt – also zahlen Sie die Hälfte davon vorher an.

Wir haben das nicht vor. Aber wir sagen offen, warum uns der Gedanke nicht gefällt, und es ist nicht der Aufwand:

Vorkasse trifft nie die, die nicht kommen. Sie trifft alle anderen. Wer seine Termine einhält – und das sind die allermeisten –, müsste dann Formulare ausfüllen, Geld überweisen und Rückerstattungen abwarten, wegen einer Handvoll Fälle, mit denen er nichts zu tun hat. Genau das ist in jeder dieser Branchen passiert.

07Was wir uns wünschen

Es ist wenig, und es kostet nichts:

  • Sagen Sie ab, sobald Sie es wissennicht, sobald Sie Zeit haben, darüber nachzudenken. Zwei Tage vorher ist mehr wert als eine lange Erklärung am Abend davor.
  • Auch wenn Sie unsicher sind, sagen Sie Bescheid„Es könnte eng werden" ist eine brauchbare Information. Wir planen dann anders.
  • Verschieben ist völlig normalEs ist kein Gesichtsverlust, es macht keine Umstände, und niemand ist deshalb verärgert. Wir suchen einen neuen Termin und gut ist.

Ein Anruf dauert eine Minute. Er ist der Unterschied zwischen einer Lücke, die sich schließt, und einem Vormittag, den mehrere Menschen umsonst freigehalten haben.

Ein Termin ist keine Option, die man zieht oder verfallen lässt. Es ist die Zusage, dass jemand seine Zeit für Sie freigehalten hat.
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