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Hintergrund
Der günstige Radwechselpreis – und was nicht darin steht

Der kleinste Preis bestimmt, wer online oben gelistet wird. Warum der Basispreis nichts darüber verrät, was Sie am Ende bekommen.

Jero (Inhaber)

Fahrzeug auf der Hebebühne mit demontiertem Rad, an dem ein leeres Preisschild hängt – Symbolbild für den Radwechselpreis

01Einleitung

Zweimal im Jahr dasselbe Bild: Man tippt „Radwechsel" und den eigenen Ort in die Suche, bekommt eine sauber sortierte Liste, und ganz oben steht die Werkstatt mit der kleinsten Zahl. Die Entscheidung scheint einfach.

Sie ist es nicht. Denn diese Liste vergleicht keine Leistungen, sie vergleicht Zahlen. Und was in der jeweiligen Zahl steckt, steht nirgends.

02Wie das Internet Werkstätten sortiert

Damit eine Werkstatt in einem Vergleichsportal überhaupt auftauchen kann, muss sie vergleichbar gemacht werden. Und vergleichbar ist am Ende nur eines:

  • Sortiert wird nach einer einzigen ZahlDem Preis für den Basisvorgang, also für das reine Umstecken der Räder. Alles andere ist zu unterschiedlich, um es in einer Spalte darzustellen.
  • Der ehrliche Komplettpreis verliertWer die Radnabenreinigung selbstverständlich mitmacht und einrechnet, landet hinter dem, der sie herausrechnet und separat berechnet – nicht weil er teurer wäre, sondern weil die Liste nur die erste Zahl kennt.
  • Der Weg nach oben führt über das WeglassenWer sichtbar bleiben will, muss den Basispreis senken. Und der einzige Weg dorthin ist, Arbeit aus der Pauschale herauszulösen.

Das ist keine Bosheit, sondern die Logik des Systems. Sie sehen nicht die beste Werkstatt zuerst. Sie sehen die mit dem kleinsten Basispreis zuerst.

03Wird der Kunde überhaupt informiert?

Viele Betriebe haben sich entschieden, den Radwechsel ohne Radnabenreinigung anzubieten. Das darf man machen – es ist eine legitime kaufmännische Entscheidung, und der Preis ist dann exakt das, was er verspricht. Interessant wird es an einer anderen Stelle. Zwei Fragen entscheiden darüber, ob das fair ist:

  • Wird erklärt, was fehltDie Reinigung der Radnabe ist keine Zusatzoption wie eine Sitzheizung, sondern eine technische Grundvoraussetzung dafür, dass das Rad plan aufliegt und fest sitzt. Weiß der Kunde, dass sie nicht dabei ist – und dass sie extra kostet, wenn er sie will?
  • Wird beraten – oder Fachwissen vorausgesetztGeht die Werkstatt aktiv auf den Kunden zu? Oder wird stillschweigend erwartet, dass er radspezifisches Fachwissen mitbringt, also von selbst weiß, dass es die Radnabenreinigung gibt, wofür sie gut ist und dass er sie aktiv dazubuchen muss?

Im ersten Fall berät eine Werkstatt ihren Kunden. Im zweiten verkauft sie eine Option an diejenigen, die zufällig davon gehört haben – und wer nicht danach fragt, fährt eben ohne. Der Preis bleibt in beiden Fällen derselbe. Das Ergebnis am Fahrzeug nicht.

Findet dieses Gespräch erst statt, nachdem der Termin gebucht und das Auto auf der Hebebühne ist, dann war der Preis, der den Kunden angelockt hat, ein Preis für etwas, das man so eigentlich nicht anbieten sollte. Ob man das ein Lockangebot nennt, darüber kann man streiten. Die Frage stellen darf man.

04Die Radnabe ist nur die halbe Miete

Und selbst wer die Radnabenreinigung bucht, bekommt nicht zwangsläufig die ganze Arbeit. Denn die Verbindung hat zwei Seiten:

  • Die RadnabeSie sitzt fest am Fahrzeug und ist der Teil, über den alle Welt spricht. Sie steckt zwischen Bremsenhitze, Spritzwasser und Streusalz – entsprechend sieht sie nach einer Saison aus.
  • Der FelgenflanschDie Fläche der Felge, die auf der Nabe aufliegt – das Gegenstück. Sie liegt monatelang denselben Bedingungen ausgesetzt im Radkasten und korrodiert genauso.

Nabe und Flansch bilden eine Einheit. Sie werden mit hoher Kraft aufeinandergepresst und sollen dann eine Verbindung ergeben, die ein Fahrzeug bei jeder Geschwindigkeit und jeder Bremsung zusammenhält. Eine blitzblanke Nabe nützt da wenig, wenn das Gegenstück verrostet ist: Der Dreck sitzt danach immer noch zwischen den Flächen – er sitzt nur auf der anderen Seite.

Sauber ist die Verbindung erst, wenn beide Flächen sauber sind. Aus vier Rädern werden damit acht Flächen, die einzeln mechanisch bearbeitet werden wollen.

05Ist Jero's Werkstatt im Vergleich nun teuer?

Das liegt im Auge des Betrachters. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, den Radwechsel künstlich kleinzurechnen. Nicht aus Prinzipienreiterei, sondern weil wir die Diskussion am Tresen gar nicht erst führen möchten, in der wir Ihnen erklären, warum die Radnabenreinigung dazugehört. Sie gehört dazu. Also ist sie drin. Wir möchten transparent wahrgenommen werden, nicht günstig gefunden.

Und zwar beide Hälften: Wir reinigen die Radnabe und den Felgenflansch. Nur eine Seite zu reinigen ist ungefähr so wirksam, wie gar keine gereinigt zu haben.

Rechnen wir es offen durch:

  • 40 € kostet bei uns der komplette RadwechselBei uns bleiben davon 33,61 €. Die Differenz von 6,39 € ist Mehrwertsteuer und geht an den Staat.
  • 30 Minuten dauert ein Radwechsel im SchnittVorausgesetzt, man führt alles korrekt aus.
  • 99 € netto ist unser normaler StundenverrechnungssatzDas sind 117,81 € brutto, und er gilt für jede andere Tätigkeit an Ihrem Fahrzeug. Nach dieser Rechnung müsste die halbe Stunde 49,50 € netto kosten. Bei uns ankommen tun 33,61 €.
  • 45 Minuten nehmen wir uns trotzdemWeil wir uns bei dieser Arbeit nicht hetzen lassen wollen. Das ist unsere Entscheidung – und deshalb steht sie auch nicht auf Ihrer Rechnung.

Gemessen an der Zeit ist der Radwechsel also ein Schnäppchen – und für die Werkstatt auf den ersten Blick ein Verlustgeschäft. Er ist ein pauschalisierter Service, der zu einer Werkstatt schlicht dazugehört.

Auf den zweiten Blick ist es das, was es überall ist: eine Mischkalkulation. Wenn Sie uns beim Radwechsel Ihr Vertrauen schenken, dann hoffen wir, dass Sie das auch beim Kauf neuer Reifen tun, bei der nächsten Inspektion, bei einer Reparatur oder wenn Sie Ihre Räder bei uns einlagern.

Haben wir einen Wettbewerbsnachteil, weil wir nicht mit Lockangeboten arbeiten? Ja. Ganz klar. Wir nehmen ihn in Kauf. Vertrauen bekommt man nicht über die kleinste Zahl in einer Liste – man bekommt es über Transparenz und über Qualität.

Der billigste Radwechsel ist nicht der, bei dem die kleinste Zahl in der Liste steht.
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