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Hintergrund
Sieben Jahre Garantie, zwei Jahre Garantie – und was das über die Qualität aussagt

Manche Hersteller geben sieben Jahre, die meisten zwei. Warum die Garantiedauer mehr über die Marktposition einer Marke verrät als über ihre Haltbarkeit.

Jero (Inhaber)

Drahtgitter-Darstellung einer großen aufrecht stehenden Urkunde mit Siegel, die ein dahinter stehendes Auto in der Mitte verdeckt – nur Front und Heck ragen hervor; Symbolbild für das Garantieversprechen vor dem Produkt
Eine Garantie ist kein technisches Urteil. Sie ist eine Zahl, die in der Bilanz steht, bevor sie auf dem Prospekt steht.

01Einleitung

Die Rechnung liegt nahe: Wer sieben Jahre Garantie gibt, muss von seinem Produkt überzeugt sein. Wer zwei Jahre gibt, offenbar weniger. Ein Hersteller, der es besser kann, traut sich mehr zu.

Der Gedanke ist vernünftig, und trotzdem führt er in die Irre. Denn er setzt voraus, dass die Garantiedauer aus der Technikabteilung kommt. Sie kommt aber woanders her.

02Was eine Garantie den Hersteller kostet

Eine Garantie ist eine kalkulierte Größe. Bevor sie im Prospekt steht, steht sie in der Bilanz: Der Hersteller bildet Rückstellungen für die Reparaturen, die er in den Garantiejahren erwartet. Er schätzt, wie oft welches Bauteil ausfällt, was es kostet, und wie viele Fahrzeuge betroffen sein werden.

Aus dieser Rechnung entsteht die Zahl. Sie beantwortet nicht die Frage „Wie lange hält unser Auto?", sondern „Wie lange können wir es uns leisten, für unser Auto geradezustehen – und was bringt uns das ein?"

Das ist kein Vorwurf. Es ist nur ein anderer Ausgangspunkt, als die meisten vermuten.

03Wer lange Garantien gibt

Schauen Sie sich an, welche Marken die langen Garantien geben, und ein Muster wird sichtbar.

Kia und Hyundai führten ihre sieben beziehungsweise fünf Jahre in Europa ein, als sie hier kaum jemand kannte, die Restwerte niedrig waren und der Ruf noch nicht trug. Heute geben die chinesischen Marken lange Garantien: MG und Xpeng sieben Jahre, BYD sechs, Ora fünf.

Das ist kein Zufall und auch keine plötzliche technische Überlegenheit. Eine lange Garantie kauft Vertrauen, das die Marke noch nicht hat. Sie ist das Angebot an einen Käufer, der zögert: Wenn Sie uns nicht glauben, dann glauben Sie wenigstens dem Versprechen.

04Wer kurze Garantien gibt

Umgekehrt gilt dasselbe. Die deutschen Premiummarken geben zwei Jahre, weil sie zwei Jahre geben können. Der Markenname erledigt, was bei anderen die Garantie erledigen muss.

Das sagt genauso wenig über die Haltbarkeit aus wie die lange Garantie. Es sagt etwas über die Verhandlungsposition: Wer gefragt ist, muss weniger dazugeben.

Damit ist die Antwort auf die Ausgangsfrage klar – und sie ist unbequem für beide Seiten: Die Garantiedauer misst die Marktposition einer Marke, nicht ihre Qualität.

05Warum sie trotzdem etwas wert ist

Jetzt die andere Hälfte, sonst wird der Artikel ungerecht.

Auch wenn die Garantiedauer kein technisches Urteil ist, ist sie ein wirtschaftliches. Ein Hersteller, der sieben Jahre gibt und schlechte Qualität liefert, zahlt dafür – jeder eingelöste Garantiefall kostet ihn echtes Geld. Wer das Versprechen gibt, hat also zumindest gerechnet, dass er es sich leisten kann. Ein völlig unsolides Produkt hält eine lange Garantie nicht durch.

Und sie hat einen zweiten, handfesten Vorteil, der mit Technik gar nichts zu tun hat: Herstellergarantien sind meist fahrzeuggebunden und gehen beim Verkauf auf den neuen Halter über. Eine Restgarantie von drei Jahren ist ein Argument beim Wiederverkauf – vorausgesetzt, die Wartungshistorie ist lückenlos dokumentiert.

06Die Kilometergrenze: für wen sie wirklich zählt

Lange Garantien sind fast immer kilometerbegrenzt, und darüber wird gern Empörung erzeugt. Rechnen wir sie stattdessen nach.

  • Sieben Jahre bis 150.000 KilometerDas sind gut 21.000 Kilometer pro Jahr, ehe die Kilometergrenze vor der Zeitgrenze greift.
  • Sechs Jahre bis 150.000 Kilometer25.000 Kilometer pro Jahr.
  • Drei Jahre bis 100.000 Kilometerrund 33.000 Kilometer pro Jahr.

Wer 15.000 Kilometer im Jahr fährt, kommt in sieben Jahren auf 105.000 – die Grenze wird nie erreicht, die Garantie läuft über die volle Zeit.

Damit ist der vermeintliche Fallstrick für die meisten Autofahrer schlicht keiner. Er wird erst einer, wenn Sie deutlich über 20.000 Kilometer im Jahr fahren. Dann allerdings kippt das Bild vollständig: Eine deutsche Zweijahresgarantie ohne Kilometerbegrenzung kann für einen Vielfahrer mehr wert sein als eine Siebenjahresgarantie, die bei 150.000 Kilometern endet.

Die ehrliche Antwort lautet also nicht „das Limit ist ein Trick", sondern: Es betrifft eine Minderheit, und die sollte genau hinsehen.

07Was die lange Garantie nicht abdeckt

Der Punkt, der in der Diskussion um Jahre und Kilometer regelmäßig untergeht: Die Garantie deckt nicht das ab, was ein Auto im Alltag tatsächlich kostet.

  • Verschleißteile bleiben draußenBremsbeläge und -scheiben, Kupplung, Reifen, Wischerblätter, Filter, Zündkerzen, die 12-Volt-Batterie – bei praktisch allen Herstellern ausgeschlossen.
  • Betriebsstoffe und Wartung ebensoÖl, Kühl- und Bremsflüssigkeit, Inspektionen. Die laufende Pflege zahlen Sie unabhängig von der Garantiedauer.
  • Einzelne Bauteile haben viel kürzere FristenInfotainment und Navigation oft nur drei Jahre, der Lack meist zwei bis drei, die 12-Volt-Batterie zwei – auch dann, wenn vorn auf dem Prospekt eine Sieben steht.

Eine Siebenjahresgarantie schützt also den Antrieb und die großen Baugruppen. Sie schützt nicht vor dem, was in der Werkstatt regelmäßig anfällt.

08Warum auch der Blick auf den Werkstatthof täuscht

Und weil wir gerade bei Schlüssen sind, die sich aufdrängen und trotzdem nicht tragen: Fahren Sie an einer Werkstatt vorbei und schauen Sie, welche Marken dort stehen – daraus lässt sich über Qualität nichts ableiten. Gleich mehrere Verzerrungen liegen dazwischen.

  • Der Marktanteil schlägt allesEine Marke, von der viermal so viele Fahrzeuge unterwegs sind, steht auch viermal so oft auf einem Hof. Das ist Arithmetik, kein Qualitätsbefund.
  • Sie sehen nicht, warum ein Auto da istInspektion, Reifenwechsel, Hauptuntersuchung, Klimaservice, Nachrüstung, Unfallinstandsetzung – der ganz überwiegende Teil aller Werkstattbesuche ist planmäßig und hat mit einem Defekt nichts zu tun.
  • Der Ausschnitt ist ohnehin schiefJunge Fahrzeuge gehen während der Garantiezeit häufiger zum Vertragspartner. Was bei einer freien Werkstatt steht, ist deshalb im Schnitt älter – und Alter erzeugt Reparaturen, unabhängig von der Marke.
  • Auch die Vergangenheit spiegelt sichEine Marke, die vor zehn Jahren viel verkauft hat, füllt heute die Höfe. Das sagt etwas über die Verkaufszahlen von damals, nicht über die Technik von heute.

Wer daraus trotzdem ein Urteil formt, macht denselben Fehler wie beim Prospekt – er liest eine Zahl, die über etwas ganz anderes Auskunft gibt.

Die Garantiedauer sagt Ihnen, wie sehr eine Marke um Sie werben muss. Wie lange das Auto hält, sagt sie Ihnen nicht.
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