Zum Inhalt springen

Artikel

Hintergrund –
Longlife-Öl: Für wen das lange Intervall gedacht ist – und für wen nicht

Bis zu zwei Jahre ohne Ölwechsel – das klingt nach Fortschritt. Für welche Fahrer Longlife gedacht ist und wann ein festes Intervall besser zum Auto passt.

Jero (Inhaber)

Drahtgitter-Darstellung eines runden Zeigerinstruments mit Skalenstrichen, an dem schräg ein Motorölmessstab lehnt – Symbolbild für die Service-Anzeige, die den nächsten Ölwechsel ausrechnet
Longlife ist kein Versprechen an jedes Auto. Es ist eine Rechnung, und sie geht von einem Fahrer aus, der viel und weit fährt.

01Einleitung

Nach der Inspektion steht im Display: „Service in 30.000 km oder 730 Tagen". Viele lesen daraus, dass sie sich zwei Jahre lang um nichts kümmern müssen.

Was die Anzeige nicht dazusagt: Diese Zahl ist kein Versprechen, sondern ein Höchstwert. Wie weit Ihr Auto davon wirklich kommt, hängt davon ab, wie Sie fahren.

02Was „Longlife" eigentlich heißt

Longlife ist kein Öl, das ewig hält. Das Auto beginnt bei einem Höchstwert – bei VW 30.000 km oder zwei Jahre – und zieht bei jeder ungünstigen Fahrt etwas davon ab. Bei VW ist nach unten Schluss bei 15.000 km oder einem Jahr. BMW macht es nach demselben Prinzip.

Das System ist also eine Rechnung, die mit dem bestmöglichen Fall anfängt und sich dann nach unten korrigiert.

03Für wen das Maximum gedacht ist

Für den Fahrer, der viel und weit fährt. Die Hersteller sagen das selbst. In BMWs Wartungsheft heißt es sinngemäß: Ein Auto, das in der Stadt auf kurzen Strecken mit vielen Kaltstarts, langem Leerlauf, Stop-and-go und hohen Drehzahlen beim Beschleunigen bewegt wird, braucht unter Umständen häufiger Wartung als eines, das lange Strecken bei mäßiger Drehzahl fährt.

VW weist ebenfalls darauf hin, dass viele Kurzstrecken und Kaltstarts die Zeit bis zum nächsten Wechsel verkürzen können.

Gemeint ist der Außendienstler mit seinen täglichen Autobahnkilometern – nicht der Weg zum Bäcker.

04Was dem Öl wirklich zusetzt

Ein kalter Motor verbrennt nicht sauber. Etwas Kraftstoff und Kondenswasser gelangen ins Öl und dampfen erst wieder aus, wenn das Öl richtig warm geworden ist. Wer nur kurze Strecken fährt, bringt das Öl nie auf diese Temperatur. Das Öl wird dünner und schützt schlechter.

Dazu kommen:

  • Stop-and-go und langes Laufen im Stand
  • Fahren mit Anhänger
  • häufiges Vollgas
  • beim Diesel und beim Benziner mit Direkteinspritzung zusätzlich Ruß, der ins Öl gelangt

05Was die Anzeige nicht weiß

Bei VW schätzt das Steuergerät den Zustand des Öls – vor allem aus Spritverbrauch, Öltemperatur und gefahrener Strecke. BMW hat bei vielen Motoren zusätzlich einen Sensor, der den Zustand des Öls zumindest teilweise misst.

In beiden Fällen ist die Anzeige eine Rechnung, keine Laboruntersuchung. Sie weiß nicht, was in Ihrem Öl tatsächlich schwimmt.

06Ein Hersteller hat selbst zurückgerudert

BMW hat in den USA das Ölintervall bei Fahrzeugen mit seinem großen V8-Motor per Software auf ein Jahr oder 10.000 Meilen verkürzt. Im Schreiben an die Kunden steht als Begründung, das neue Intervall solle die Lebensdauer des Motors sichern.

Wenn ein Hersteller sein eigenes Intervall zurücknimmt, sagt das mehr als jedes Forum.

07Fest oder flexibel – woran Sie es erkennen

  • Bei VW, Audi, Seat und Skoda steht es auf dem Aufkleber mit den Fahrzeugdaten im Serviceheft oder in der ReserveradmuldeQI4 heißt festes Intervall (15.000 km oder ein Jahr), QI6 heißt flexibel.
  • Steht nach dem Service „30.000 km / 730 Tage" im Display, ist flexibel eingestellt.
  • Die Werkstatt kann von flexibel auf fest umstellen. Wichtig ist dann das passende ÖlMit Longlife-Öl darf man auch im festen Intervall fahren, mit normalem Öl aber nie im flexiblen. Die Umstellung gehört ins Serviceheft.
  • Wer umstellt, sollte trotzdem beim Longlife-Öl bleiben. Das hat zwei VorteileDie Werkstatt muss nicht überlegen, welches Öl dieses Auto bekommt, und es kommt sicher ein Öl mit der richtigen Freigabe für Ihren Motor hinein. Außerdem sind die Zusätze im Öl, die sogenannten Additive, auf genau diesen Motor abgestimmt.
  • Bei BMW gibt es diesen Schalter nicht. Wer öfter wechseln will, lässt einfach zwischendurch einen Ölwechsel machen.

08Wann sich das kürzere Intervall lohnt

Longlife passt, wenn Sie mehr als etwa 20.000 km im Jahr fahren, überwiegend auf Autobahn oder Landstraße, und die meisten Fahrten länger als 20 bis 30 Minuten dauern.

Ein festes Intervall ist besser bei:

  • überwiegend Kurzstrecke
  • Stadtverkehr und Stop-and-go
  • Fahren mit Anhänger
  • sportlicher Fahrweise

09Fragen Sie die, die es jeden Tag sehen

Es gibt eine einfache Probe, die mehr verrät als jede Statistik: Fragen Sie in Ihrer Werkstatt den Mechaniker, wann er an seinem eigenen Auto das Öl wechselt. Nicht, was im Serviceheft steht, sondern was er selbst macht.

Er lässt jeden Tag Öl aus fremden Motoren ab, und für den eigenen Motor zahlt er selbst. Hören Sie sich seine Antwort an.

10Was bedeutet das für Jero's Werkstatt?

Am Motor hängt, ob ein Auto weiterfährt. Deshalb mache ich es an meinem eigenen Auto so: Vorgeschrieben ist ein festes Intervall von 15.000 km oder einem Jahr. Ich wechsle das Öl trotzdem schon nach 10.000 km, auch wenn das Jahr noch gar nicht um ist.

Die Anzeige sagt, wie lange das Öl reichen könnte. Wie lange der Motor halten soll, entscheiden Sie.
← Zurück zu den Artikeln