Bei Nabenkappen und Radzierblenden ist es dieselbe Geschichte in anderem Material.
Diese Teile werden nicht geschraubt, sondern geklemmt. Ein Clip oder ein Pin muss sich beim Aufsetzen und beim Abziehen verformen, über eine Kante rutschen und danach zurückfedern. Verformen zu können ist keine Schwäche der Konstruktion – es ist ihre Funktionsbedingung.
Nur altert Kunststoff, und zwar genau an dieser Eigenschaft:
- WärmeDie Kappe sitzt wenige Zentimeter von der Bremse entfernt. Jede Bremsung ist ein Hitzezyklus.
- UV-Strahlung und WitterungDas Rad steht das ganze Jahr draußen, und die Blende ist das Bauteil, das am direktesten getroffen wird.
- Streusalz und FeuchtigkeitSie greifen die Oberfläche an und arbeiten sich in feine Risse hinein.
- BordsteinkontaktDie Zierblende steht am weitesten außen. Was den Bordstein berührt, berührt zuerst sie.
Was dabei verloren geht, ist die Elastizität. Der Kunststoff wird hart und spröde. Und ein sprödes Bauteil hat nur noch zwei Möglichkeiten, wenn es über die Kante soll: Es federt – oder es bricht. Vorsicht ändert daran nichts, weil die Entscheidung nicht in der Hand des Mechanikers liegt, sondern im Zustand des Materials.
Der letzte Listenpunkt ist dabei der tückischste, weil man ihn für erledigt hält. Ein Bordsteinkontakt beim Einparken hinterlässt außen einen Kratzer – und den sieht man. Was man nicht sieht, ist der Riss, der dabei innen an einer Haltekralle entstanden ist, oder die Kralle, die sich um einen Millimeter verzogen hat. Die Blende sitzt danach weiter, sie fällt nicht ab, und die Sache gilt als glimpflich ausgegangen.
Beim nächsten Abnehmen bricht sie genau an dieser Stelle. Zwischen dem Bordstein und dem Bruch können zwei Jahre liegen, und niemand bringt die beiden Ereignisse noch miteinander in Verbindung. Dazu kommt: Der häufigste Bordsteinkontakt passiert auf der Beifahrerseite, also dort, wo der Fahrer beim Aussteigen gar nicht vorbeikommt.