Zwischen Felge und Nabe liegen keine idealen Flächen aufeinander. Auch saubere, plane Oberflächen berühren sich mikroskopisch nur an ihren Spitzen. Unter Last werden diese Spitzen eingeebnet – die Bauteile rücken um Bruchteile eines Millimeters näher zusammen. Weil die Schraube eine sehr steife Feder ist, genügt schon dieser winzige Weg, um einen spürbaren Teil der Vorspannkraft abzubauen.
Continental beschreibt genau das: Während der ersten 50 bis 100 Kilometer könnten „normale Vibrationen, Belastungskräfte und thermische Zyklen zu einem leichten Setzen der Rad-Radnaben-Verbindung führen, wodurch sich die anfängliche Klemmkraft verringern kann".
Dazu kommen im Fahrbetrieb:
- Wärme aus der Bremsanlage, die Nabe, Felge und Schraube unterschiedlich stark ausdehnen lässt.
- Die ständig wechselnde Belastung durch Fahrbahnunebenheiten, Kurven, Bremsen und Beschleunigen.
- Bei Neuteilen zusätzlich frische, noch nicht eingelaufene Kontaktflächen.
Diese Vorgänge sind am Anfang am stärksten und klingen dann ab. Deshalb die ersten 50 bis 100 Kilometer – nicht, weil danach nichts mehr passiert, sondern weil dann der größte Teil des Setzens hinter Ihnen liegt.
Der Verband der europäischen Räderhersteller formuliert es ohne Spielraum: „An einem neuen Fahrzeug und bei jedem Rad/Reifenwechsel ist es unerläßlich, das Anzugsdrehmoment, nach ca. 50 bis 100 km im Einsatz, zu überprüfen und, wenn notwendig, die Radmuttern erneut auf den richtigen Wert anzuziehen."