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Lexikon

Reifen –
Wuchten

Unwucht am Rad ausgleichen – damit Lenkrad und Fahrzeug bei Tempo ruhig bleiben und die Reifen gleichmäßig abfahren.

Wireframe eines Rads auf der Wuchtmaschine mit Auswuchtgewichten

01Einleitung

Beim Wuchten wird die Masse eines Rades so ausgeglichen, dass es ohne Schlagen um seine Achse läuft. Kein Reifen und keine Felge sind exakt gleichmäßig gefertigt – schon wenige Gramm an der falschen Stelle reichen, damit das Rad bei Tempo zu zittern beginnt. Kleine Ausgleichsgewichte an genau berechneten Stellen heben das auf.

02Was ist eine Unwucht?

Eine Unwucht entsteht, wenn die Masse nicht gleichmäßig um die Drehachse verteilt ist. Die schwere Stelle zieht bei jeder Umdrehung nach außen. Diese Kraft wächst mit dem Quadrat der GeschwindigkeitBei doppeltem Tempo ist sie viermal so groß. Deshalb fällt eine Unwucht im Stadtverkehr oft gar nicht auf, auf der Landstraße oder Autobahn dagegen deutlich.

03Statische und dynamische Unwucht

  • Statische UnwuchtDer Schwerpunkt des Rades liegt neben der Drehachse. Das Rad hüpft bei jeder Umdrehung leicht auf und ab.
  • Dynamische UnwuchtDie Masse ist über die Breite des Rades ungleich verteilt – innen anders als außen. Das Rad taumelt und lässt das Lenkrad hin- und herflattern.

In der Praxis kommen beide meist zusammen vor. Die Wuchtmaschine misst deshalb in zwei Ebenen und gleicht innen und außen getrennt aus – das ist mit dynamischem Wuchten gemeint.

04Woran erkennt man eine Unwucht?

  • Das Lenkrad zittert in einem bestimmten Geschwindigkeitsbereich und wird darüber wieder ruhiger – meist ein Vorderrad.
  • Sitz, Boden oder die ganze Karosserie vibrieren – eher ein Hinterrad.
  • Der Reifen fährt sich fleckig und ungleichmäßig ab. Dasselbe Bild entsteht auch durch verschlissene Stoßdämpfer – deshalb gehören beide geprüft.

Dass die Vibration nur in einem bestimmten Tempobereich auftritt, liegt an der RadaufhängungBei dieser Drehzahl schwingt sie mit dem Rad mit.

05Woher kommt eine Unwucht?

  • Fertigungstoleranzen an Reifen und Felge.
  • Ventil und RDKS-Sensor bringen einseitig Masse ans Rad.
  • Ungleichmäßiger Abrieb, etwa eine Bremsplatte nach einer Vollbremsung mit blockierendem Rad.
  • Ein Ausgleichsgewicht ist abgefallen.
  • Der Reifen ist auf der Felge verrutscht, zum Beispiel nach Fahrten mit zu wenig Luftdruck.
  • Schmutz, Schnee oder Eis in der Felge – hier hilft kein Wuchten, sondern Reinigen.

06Wie läuft das Wuchten ab?

  • VorbereitungRad reinigen, alte Gewichte entfernen, Steine aus dem Profil holen.
  • AufspannenDas Rad wird über die Mittenbohrung exakt zentriert auf die Welle der Maschine gespannt. Sitzt es schief, misst die Maschine eine Unwucht, die es am Fahrzeug gar nicht gibt.
  • FelgenmaßeAbstand, Durchmesser und Breite der Felge werden erfasst – daraus berechnet die Maschine, wo die Gewichte sitzen müssen.
  • MesslaufDas Rad wird schnell gedreht, Sensoren messen die Kräfte an der Welle. Die Maschine zeigt für innen und außen Position und Größe des nötigen Gewichts.
  • Gewichte setzen und KontrolllaufDanach muss die Anzeige auf null stehen.

Braucht ein Rad ungewöhnlich viel Gewicht, lässt sich der Reifen auf der Felge verdrehen, sodass sich die Unwuchten von Reifen und Felge teilweise aufheben. Das nennt man Matchen.

07Welche Gewichte gibt es?

  • Schlaggewichtewerden auf das Felgenhorn geschlagen, vor allem bei Stahlfelgen.
  • Klebegewichtesitzen innen an der Felge, vor allem bei Alufelgen, damit von außen nichts zu sehen ist. Die Klebefläche muss sauber und fettfrei sein, sonst löst sich das Gewicht.

Die Gewichte bestehen heute aus Stahl oder Zink. Blei ist für Auswuchtgewichte in der EU nicht mehr zulässig.

08Was Wuchten nicht behebt

  • Höhen- oder SeitenschlagLäuft Felge oder Reifen nicht rund, schlägt auch ein ausgewuchtetes Rad.
  • Vibrationen nur beim BremsenDie Ursache liegt meist an den Bremsscheiben, nicht am Rad.
  • Ziehen zur Seite oder ein schiefes Lenkradein Fall für die Achsvermessung.

09Wann sollte gewuchtet werden?

  • Nach jeder Reifenmontage – auch wenn nur ein Reifen neu auf die Felge kommt.
  • Wenn das Lenkrad oder das Fahrzeug bei Tempo vibriert.
  • Wenn ein Gewicht fehlt.
  • Nach einer Reifenreparatur.

Beim saisonalen Radwechsel ist neues Wuchten nicht zwingend, wenn der Radsatz bei der Montage gewuchtet wurde und seitdem ruhig lief. Über eine Saison verändert sich die Masse aber durch Abrieb – wer Vibrationen gespürt hat, lässt beim Wechsel nachwuchten.

10Praxistipps für Autofahrer

  • Vibrationen nicht aussitzenEin schlagendes Rad belastet Radlager, Lenkung und Stoßdämpfer bei jeder Umdrehung zusätzlich.
  • Felgen im Winter sauber haltenFestgefrorener Schnee in der Felge erzeugt eine Unwucht, die nach dem Abtauen wieder verschwindet.
  • Gewichte nicht abkratzenAuch wenn ein Klebegewicht stört – es sitzt genau dort, wo es hingehört.
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