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Ratgeber
Radwechsel: Wenn Sie Ihre Räder selbst mitbringen

Die Autos haben sich stark verändert – unsere Art, mit ihnen umzugehen, nicht. Räder werden immer größer und schwerer. Höchste Zeit für ein Umdenken.

Aktualisiert Jero (Inhaber)

Vier große Räder liegen über die umgeklappte Rückbank ins Fahrzeuginnere gezwängt – Symbolbild Radtransport im eigenen Auto

01Einleitung

Zweimal im Jahr steht er wieder an: der Wechsel von Sommer- auf Winterreifen (und umgekehrt). Für viele Autofahrer gehört es zur Routine, die vier Räder aus dem Keller oder der Garage zu holen, sie irgendwie im Auto zu verstauen und damit zum Termin in die Werkstatt zu fahren. Doch genau bei diesem vermeintlich einfachen Transport gibt es einen entscheidenden Punkt, über den sich fast niemand Gedanken macht – und der am Ende direkt auf Kosten der Gesundheit geht.

„Das ging doch früher auch immer problemlos!", heißt es dann oft.

Das stimmt. Doch die Zeiten und vor allem die Autos haben sich verändert. Ein Umstand, der vielen gar nicht so bewusst ist: Unsere Fahrzeuge und damit auch die Räder werden immer größer und schwerer. Was früher ein handliches 14-Zoll-Rad war, ist heute nicht selten ein massives 18-, 19- oder gar 21-Zoll-Rad mit breiter Bereifung. Und genau hier beginnt ein handfestes Problem – ganz besonders für denjenigen, der diese schwere Arbeit in der Werkstatt verrichtet.

02Das Problem: Wenn der Kofferraum zu klein wird

Früher stellten wir die vier Räder einfach hochkant nebeneinander in den Kofferraum, Klappe zu, fertig. Heute ist das bei den meisten modernen Fahrzeugen physikalisch gar nicht mehr möglich.

Die Konsequenz:

  • Die Rücksitzbank muss umgeklappt werden.
  • Die Räder werden zwar ganz normal durch die Heckklappe eingeladen, lassen sich aber durch ihre schiere Größe von hinten nicht weit genug nach vorne durchschieben.
  • Um alle vier Räder überhaupt im Auto unterzubringen, müssen die ersten Räder jedoch ganz tief im Innenraum – also vorne auf der umgeklappten Rückbank – platziert werden.

Da man von der Heckklappe aus nicht so weit reichen kann, folgt der kritische Schritt: Man muss an die hintere Seitentür gehen, sich in den engen Innenraum hineinbeugen, das schwere Rad greifen, nochmals anheben und in die richtige Position zerren.

Besonders extrem ist dies bei sportlichen Coupés oder dreitürigen Fahrzeugen. Hier gibt es durch die Seitentüren so gut wie keinen Bewegungsspielraum.

03Die verbotene Bewegung: Gift für die Bandscheiben

Warum ist das so gefährlich? Genau dieses Agieren durch die Seitentür ist das eigentliche Problem. Um das Rad auf der umgeklappten Rückbank richtig zu positionieren, muss man sich durch die enge Türöffnung in das Fahrzeug hineinbeugen.

In der Ergonomie und Sportmedizin gilt genau diese Kombination – weit vorgebeugt, der Oberkörper extrem verdreht und das Ganze unter schwerer Last – als der absolute „Bandscheiben-Killer". In dieser völlig unnatürlichen, instabilen Haltung müssen dann 20 bis über 40 Kilogramm angehoben und gezogen werden. Die Hebelkräfte, die dabei auf die Lendenwirbelsäule wirken, sind enorm. Ein falscher Ruck, und der Hexenschuss ist vorprogrammiert.

04Ein Perspektivwechsel: Einmal vs. 14-mal am Tag

Vielleicht denkt man als Autofahrer: „Na ja, ich lade die Dinger zweimal im Jahr ein und wieder aus. Das bisschen Anstrengung überlebe ich schon." Das mag für den Einzelnen stimmen. Aber betrachten wir das Ganze einmal aus der Perspektive des Mechanikers, der diese Arbeit in der Radwechselsaison täglich verrichtet.

Wenn die Räder im Auto mitgebracht werden, müssen sie für den Wechsel aus- und die anderen danach wieder eingeladen werden. In der Hochsaison passiert das nicht nur einmal, sondern 10- bis 14-mal am Tag! Rechnen wir das kurz hoch:

  • 14 Fahrzeuge am Tag bedeuten 56 Räder, die aus- und wieder eingeladen werden müssen.
  • Bei einem durchschnittlichen Radgewicht von 25 kg bewegen sich so pro Tag 1,4 Tonnen Gewicht – und das zu einem großen Teil in genau diesen rückenfeindlichen, unergonomischen Positionen im engen Innenraum der Kundenfahrzeuge.

Das ist auf Dauer eine extreme Belastung, die unweigerlich zu chronischen Schmerzen und Verschleiß führt.

05Die gesunde Lösung: Professionelle Radeinlagerung

Um die Gesundheit auf beiden Seiten zu schonen, bietet sich die professionelle Radeinlagerung als sauberste Lösung an.

Das ist kein unnötiger Luxus, sondern aktiver Gesundheitsschutz:

  • Kein Schleppen für den KundenSie fahren entspannt mit leerem Auto zum Termin. Keine schmutzigen Hände, kein schweres Heben im Keller oder Schmutz auf den Polstern.
  • Ergonomisches Arbeiten in der WerkstattDie eingelagerten Räder befinden sich direkt im Reifenlager. Dort gibt es den Platz und vor allem die technischen Hilfsmittel (wie spezielle Reifenkarren und Hebevorrichtungen), um die Räder absolut rückenschonend zu bewegen.

06„Zu teuer, und ich habe zu Hause ohnehin genug Platz?" – Ein ehrliches Wort zur Fairness

Es ist völlig verständlich und legitim, wenn Sie sagen: „Das Geld für die Einlagerung spare ich mir lieber, Platz habe ich in meiner Garage oder im Keller genug." Wenn wir uns aber die Praxis ansehen, müssen wir eine klare Grenze ziehen. Als Mechaniker möchte ich diese extrem gesundheitsschädlichen Hebe- und Zerrbewegungen im engen Innenraum Ihrer Fahrzeuge künftig vermeiden. Deshalb stellt sich eine ganz einfache Frage der Fairness:

Wenn Sie die Einlagerung aus Platz- oder Kostengründen ablehnen und das Ein- und Ausladen für Sie selbst „nicht so schlimm" ist – wäre es dann nicht auch nur fair, wenn Sie das Be- und Entladen Ihres Autos selbst übernehmen?

Daraus lässt sich eine ganz klare und unkomplizierte Regel ableiten:

  • Szenario A – Die Räder stehen hochkant im KofferraumPassen alle vier Räder problemlos stehend nebeneinander hinein und lassen sich rückenschonend direkt nach hinten herausnehmen? Dann bleibt alles wie gewohnt. Das kann man ergonomisch gut bewältigen, und ich übernehme das Aus- und Einladen selbstverständlich sehr gerne als Service für Sie.
  • Szenario B – Die Räder liegen flach und müssen über die Seitentür rangiert werdenMuss die Rücksitzbank umgeklappt werden und die schweren Räder können nur durch Hineinklettern und Zerren über die Seitentüren richtig positioniert werden? Wären Sie bereit, Ihre Räder bei der Ankunft selbst auszuladen und nach dem Radwechsel auch wieder selbst im Fahrzeug zu verstauen?

Für mich als Mechaniker bedeutet die Entlastung an dieser Stelle jedoch, dass ich meinen Rücken schone und mich voll und ganz auf mein eigentliches Handwerk konzentrieren kann: den sicheren, fachgerechten und schnellen Radwechsel an Ihrem Fahrzeug.

Ich denke, das ist ein absolut partnerschaftlicher und fairer Deal oder nicht?

07Das ist keine Marotte von mir: Was das Regelwerk dazu sagt

Man könnte an dieser Stelle denken, ich mache mir mein eigenes Leben künstlich schwer. Tatsächlich steht dieses Thema längst schwarz auf weiß im Arbeitsschutz-Regelwerk – nämlich in der DGUV Information 209-007 „Fahrzeuginstandhaltung", dem Standardwerk für unsere Branche.

Dort heißt es im Kapitel „Sichere Montage von Rädern und Reifen" wörtlich: „Ein bisher wenig beachtetes Problem sind die ergonomischen Bedingungen, besonders bei der Pkw-Reifenmontage. […] Nach der Leitmerkmalmethode der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) wird unter Zugrundelegung einer Montage von 10 bis 40 Pkw-Rädern pro Person pro Tag ein Risikobereich erreicht, der ergonomische Gestaltungsmaßnahmen verlangt. Eine solche Maßnahme könnte z. B. die Verwendung einer Radhebevorrichtung sein."

Halten wir das gegen die Rechnung von weiter oben: 14 Fahrzeuge am Tag sind 56 Räder. Das liegt deutlich über der Schwelle, ab der das Regelwerk ergonomische Maßnahmen verlangt – und zwar für die reine Montage am Arbeitsplatz, also dort, wo Radheber und Reifenkarren stehen. Vom Hineinklettern in einen Kundeninnenraum und dem Zerren über eine umgeklappte Rückbank steht dort kein Wort. Aus gutem Grund: Der Innenraum Ihres Autos ist schlicht kein vorgesehener Arbeitsplatz.

Und es geht noch weiter: Die Lastenhandhabungsverordnung verpflichtet mich als Unternehmer sogar dazu, „geeignete Arbeitsmittel, insbesondere mechanische Ausrüstungen" einzusetzen, um genau solche Gefährdungen der Lendenwirbelsäule zu vermeiden. Diese Hilfsmittel habe ich – im Reifenlager. In Ihrem Fahrzeug kann ich sie nicht benutzen.

Meine Bitte in Szenario B ist also kein persönlicher Wunsch und keine Bequemlichkeit, sondern die schlichte Konsequenz aus dem, was der Arbeitsschutz von mir erwartet.

Mein Rücken wird es Ihnen danken!
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