Zum Inhalt springen

Artikel

Fakten
Neue Reifen gehören nach hinten, auch bei Frontantrieb

Die meisten erwarten neue Reifen dort, wo das Auto angetrieben wird. Richtig ist das Gegenteil – und die Begründung hat mit dem Antrieb nichts zu tun, sondern mit Physik.

Jero (Inhaber)

Drahtgitter-Darstellung eines Pkw von schräg oben mit tiefem Profil am Hinterrad und flacherem am Vorderrad, dazu eine angedeutete Ausbrechbewegung am Heck
Der Antrieb entscheidet, wo das Auto zieht. Nicht, wo es hält.

01Einleitung

Es ist eine der häufigsten Erwartungen, die Kunden mitbringen: Neue Reifen gehören dorthin, wo das Auto angetrieben wird. Bei Frontantrieb also nach vorn.

Richtig ist das Gegenteil. Und das ist keine Ansichtssache, sondern Physik.

02Die Regel gilt für jeden Antrieb

Werden nur zwei Reifen ersetzt, gehören die neuen – oder die am wenigsten abgefahrenen – auf die Hinterachse. Unabhängig davon, ob das Fahrzeug vorne, hinten oder an allen vier Rädern angetrieben wird.

Der Antrieb spielt in dieser Frage keine Rolle. Er bestimmt, wo das Auto Kraft auf die Straße bringt – nicht, wo es im Grenzbereich die Spur hält.

03Vorne rutschen heißt geradeaus, hinten rutschen heißt quer

Der Unterschied entscheidet sich in dem Moment, in dem die Haftung endet.

Verliert die Vorderachse zuerst die Haftung, schiebt das Fahrzeug über die Vorderräder geradeaus. Es reagiert nicht mehr auf die Lenkung. Das ist unangenehm, aber es passiert in der Richtung, in die Sie ohnehin fahren, und lässt sich meist durch Gaswegnehmen wieder einfangen.

Verliert die Hinterachse zuerst, bricht das Heck aus. Das Fahrzeug dreht sich um die eigene Achse, und zwar plötzlich. Diese Bewegung zu korrigieren erfordert eine Reaktion, die die wenigsten Fahrer im entscheidenden Moment abrufen – und ab einer gewissen Querbeschleunigung ist auch das elektronische Stabilitätsprogramm physikalisch am Ende.

Deshalb bekommt die Hinterachse die besseren Reifen. Nicht weil dort mehr passiert, sondern weil dort das Schlimmere passiert.

04Warum der Denkfehler so naheliegt

Die Erwartung ist ja nicht dumm. Wer vorne angetrieben wird, spürt abgefahrene Vorderreifen sofort: Das Auto scharrt beim Anfahren, dreht bei Nässe durch, zieht beim Beschleunigen. Abgefahrene Hinterreifen merkt man dagegen im Alltag praktisch nie.

Genau das ist die Falle. Der Verschleiß vorne meldet sich früh und harmlos. Der Verschleiß hinten meldet sich spät und heftig – nämlich in der einen Kurve auf nasser Fahrbahn, in der es zu spät ist.

05Was das im Alltag bedeutet

Bei einem frontgetriebenen Auto nutzen sich die Vorderreifen im Regelfall schneller ab als die hinteren. Werden dann zwei neue Reifen fällig, wandern die noch besseren alten Reifen von hinten nach vorne, und die neuen kommen nach hinten.

Das fühlt sich für viele verkehrt an, weil vorne ja das Problem war. Fahrphysikalisch ist es genau richtig.

06Was bedeutet das für Jero's Werkstatt?

Wir montieren die Räder immer so, wie es sein soll.

Vorne verlieren Sie die Lenkung. Hinten verlieren Sie das Auto.
← Zurück zu den Artikeln